Neue EHEC Fälle am Bodensee – Wie gefährlich ist das für uns in München?

Erneut gab es einen schweren Fall von EHEC Infektion. Und besonders tragisch, wenn es Kinder erwischt. Dieses Mal ist ein 10 jähriges Mädchen vom Bodensee betroffen. Mitschüler, Lehrer, Eltern und Geschwister haben sich zum Glück bisher nicht angesteckt oder den Erreger bei der Untersuchung nachgewiesen.
Woher die Infektion stammt ist noch unklar, die Behörden sind beunruhigt und gehen auf intensive Spurensuche. Aber wir hoffen, dass die Kleine sich rasch erholt.


Was ist EHEC eigentlich?

Bei EHEC (=Enterohämorrhagische Escherichia coli) handelt es sich um einen Stamm der normalen Darmkeime Escherischia coli. Dieser EHEC Stamm ist jedoch alles andere als normal. Im Gegenteil kann dieser zu schweren blutigen Durchfällen führen, aber auch ein lebensbedrohliches Nierenversagen verursachen. Etwa 900 gemeldete / nachgewiesene EHEC Fälle gibt es in Deutschland pro Jahr. (Quelle: http://www.bfr.bund.de/de/a-z_index/ehec___enterohaemorrhagische_escherichia_coli-5233.html)

Wie steckt man sich mit diesen Bakterien an?
Es reichen bereits wenige Keime aus, um sich anzustecken. Die Keimzahl von 100 kann wohl niemand nachzählen, aber diese Zahl dient als Verhältnis, dass wirklich nur geringste Spuren infektiösen Materials ausreichen, um eine Infektion zu verursachen.
Mensch-zu-Mensch Kontakte wurden als Übertragungsweg bestätigt.
Häufig sind es aber auch ungewaschenes Obst und Gemüse, sowie bei der letzten großen EHEC Welle 2011 verunreinigte Sprossen.

Welche Symptome können vorkommen?
Es gibt einige unerkannte Infektionen, bei denen keine oder kaum nennenswerte Symptome auftreten.
Nach einer Inkubationszeit von etwa 3 bis 4 Tagen (manchmal auch länger) können erste Anzeichen wie Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen und Durchfall auftreten. Ursache dafür sind die Giftstoffe der EHEC-Bakterien = sogenannte Toxine. Diese führen zu einem massiven Verlust an Flüssigkeit und Elektrolyten, bishin zu blutender Darmschleimhaut.
Folge davon sind Müdigkeit, Schlappheit, Konzentrationsstörung, und dringen die Keime und Toxine in die Blutbahn kann es rasch zu einem völligen Versagen innerer Organe führen. Da die Niere von allen Organen am stärksten durchblutet ist (die Niere ist verantwortlich für die Blutwäsche), trifft das Versagen vor allem der Nieren in den Vordergrund. Dies ist jedoch schon ein sehr schwerer Verlauf und lebensbedrohlich.
Kann sich der Körper gegen die Bakterien im Darm gut wehren, dauert die Erkrankung nicht sehr lange an. Besteht jedoch ein geschwächtes Immunsystem kann es zu schweren Verläufen kommen.

Wie sieht die Therapie aus?
Angefangen bei einer frühzeitigen Substitution von Flüssigkeit und Elektrolyten ist der Versuch mit gezieltem Breitspektrum Antibiotika und auch Kortison möglich.
Bereits der Verdacht auf einen EHEC Infekt sollte dem Hygieneinstitut gemeldet werden.
Daher sollten Bauchschmerzen, die mit anhaltendem Durchfall und Schwäche verbunden sind, immer von einem Arzt untersucht werden. Die meisten Bauchschmerzen und Durchfälle sind harmnlos und verschwinden nach 3-4 Tagen von allein. Ist das aber nicht der Fall, sollte eine STuhlprobe erfolgen, um der Ursache einer möglichen Infektion auf den Grund zu gehen. Nur so kann eine gezielte Therapie begonnen werden.

Wie kann man sich schützen?
Grundsätzlich gilt der Spruch: „Nach dem Klo und vor dem Essen, Hände waschen nicht vergessen!“ Auch wenn es salopp klingen mag, denken Sie immer an eine ordentliche Händehygiene. Hände kann man sich nicht genug waschen. Aus meiner Erfahrung, kann man mit klarem Wasser und etwas Seife nichts falsch machen. Übertriebene Hygiene bei dem Händewaschen gibt es nicht. Nur falsche Handpflege, verkannte Allergien oder Überdosierung von ungeeigneten Waschlösungen sollte man vermeiden.

Hier verlinke ich ein paar offizielle Beiträge, welche Lebensmittel kontaminiert sein können, und wie man sich schützen kann:
Krankheitserreger in Lebensmitteln: Fortschritte und neue Herausforderungen der Zoonosenbekämpfung
Schutz vor EHEC: Sorgfältiger Umgang mit Rohmilch, rohem Fleisch und Sprossen notwendig
Hackepeter und rohes Mett sind nichts für kleine Kinder!
EHEC-Ausbruch 2011: Empfehlungen zum Umgang mit Sprossen

Wie sicher sind wir in München?
Egal in welcher Region wir uns befinden, die Gefahr einer EHEC Infektion besteht überall. Auch wenn der Bodensee weiter weg ist, rate ich Ihnen dennoch stets die Hygiene in Haushalt und Küche einzuhalten.

  • Auch Ihre Kinder und Verwandte, Freunde und Kollegen sollten Sie zur Hygiene anhalten.
  • Braten Sie Fleisch gut durch.
  • Waschen Sie alle Lebensmittel gründlich ab, wenn Sie diese roh verzehren möchten.
  • Verfallene Lebensmittel gehören nicht auf den Tisch.
  • Reinigen Sie Ihren Kühlschrank regelmäßig.
  • Beeren aus dem Wald vor dem Verzehr besonders gründlich waschen.
  • Beeren vom Feld sind weitgehend ok, aber zur Sicherheit sollten Sie auch hier gründlich waschen.

Bleiben Sie gesund.

Ihre
Kathrin Hamann

Bildquelle: Bild von StockUnlimited

phone 089-885 255 Diese Rufnummer ist auch außerhalb der Sprechzeiten mit unserer Notfallzentrale erreichbar.